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Jura2002

Veloplausch-Tourenwoche 31. August - 7. September 2002 im Jura

Samstag, 31. August

Dass der Morgen bedeckt und regnerisch beginnt, ist eigentlich normal in diesem Velojahr. Jedenfalls vermag das Wetter die Aufbruchsstimmung am Morgen am gewohnten Brückentreffpunkt nicht zu trüben und wie später auf dem Film beobachtet werden kann, blicken fröhliche Gesichter in Silvio's laufende Kamera. Mit Handyliste und Routenbeschreibung bestückt, setzt sich unsere Autokarawane in Bewegung in Richtung erstem Treffpunkt, dem Fressbalken in Würenlos. Dort angekommen, dann aber doch eine Meldung, die mehr als das Wetter betrübt: Werni ist in Zürich auf ein Auto aufgefahren, der Blechschaden war so gross, dass er umkehren und mit dem Zweitauto nachfahren musste. Zum Glück ging's noch glimpflich ab. Nächster Treffpunkt: Taubenlochschlucht hinter Biel. Über neue Autobahnstrecken nähern wir uns dem Expoland bei Biel, wir zweigen aber rechts Richtung Jura ab und einigen uns übers Handy auf Tavannes als Mittagshalt. Noch können wir auf deutsch das bestellen, was wir essen und trinken möchten und bekommen so auch, was wir meinen. Draussen wir der Jura nochmals gründlich gewaschen, es schüttet in Strömen, damit für unsere Velowoche alles schön herausgeputzt ist. Dankbar nehmen wir dies zur Kenntnis und bewältigen mit viel motorisierten Pferdestärken die letzten Höhenmeter hinauf in die einst steuerfreien Berge zu den Freiberger Pferdestärken. In grosser Ansammlung finden wir die letzteren eingangs von Saignelégier beim Marché Concours, wo heute zwar nicht der grosse Marché aber dennoch passend eine Pferdeveranstaltung stattfindet. Unmittelbar daneben finden wir unser Hotel, das Café du Soleil.



Von jetzt an klappt's nur noch auf französisch. Erleichtert nehmen wir zur Kenntnis, dass unsere Reservation tatsächlich geklappt hat, so können Schlüssel verteilt und die Unterkünfte im Annexe bezogen werden. Aber wo ist das Annexe, das Ruth und Klaus uns der grösseren Ruhe wegen empfohlen haben? Ah, drunten an der vielbefahrenen Hauptstrasse!!!! - Die Kommentare zu Standort und Zimmergrösse sind verhalten, bis zurückhaltend, bis leicht kritisch, bis .... bis Ende Woche haben sich alle mit der Unterkunft angefreundet und/oder abgefunden, schliesslich sind alle Zimmer sauber, die meisten mit WC/Douche ausgestattet und der (Gruppen-)Preis inkl. Halbpension geradezu sensationell günstig. Der Wechsel vom irrtümlich zugeteilten Einzel- ins richtige Zimmer mit Doppelbett und das 'ausgeborgte' Fernsehgerät aus dem Zimmer der später Anreisenden verbesserte bei Einzelnen den ersten Eindruck spürbar. Die Velos wurden in der Zwischenzeit in der Garage, im Gang, etc. verstaut - die Suche nach Abstellplätzen zeugte von einem hohen Improvisationstalent. Pferdeveranstaltung, das nahe Sportzentrum, das Dorf und seine Umgebung wurden abgeklopft, um mit dem neuen Aufenthaltsort vertraut zu werden. Die nächste kritische Hürde, welche das Urteil über die Wahl der Unterkunft zu bestehen hatte, waren die Qualität von Küche, Keller und Service. Was wir am langen Holztisch serviert bekommen, aber auch wie es serviert wird, vermag den Ansprüchen zu genügen und die Weinkarte bot nebst offenem Navarra auch ein breites Angebot an gutem Wein aus der Flasche zu unglaublich günstigen Preisen. Also der Auftakt kann letztlich als geglückt abgebucht werden, denn auch Werni ist mit seinem Porsche mittlerweile gesund zu uns gestossen. Aber halt, man soll den Tag nicht vor der Nacht loben, da war ja noch die Hochzeitsgesellschaft im Bellevue gegenüber der Unterkunft: Jurassische Hochzeitsfestfreude und Bündner Schlafbedürfnis gingen in dieser Nacht nicht unbedingt eine glückliche Marriage ein.


Sonntag, 1. September

Dichter Nebel hüllt uns kühl ein. Immerhin finden alle im undurchsichtigen Einheitsgrau den Weg ins Restaurant ans üppige Frühstücksbuffet. Dort werden nun die wichtigsten News, die Wetterprognosen, in ganz unterschiedlichen Varianten weitergegeben und interpretiert. Der Entscheid schliesslich, auf eine Velotour in unbekanntem Gelände bei neblig verschleierter Sicht zu verzichten, wird jedoch mehrheitlich einstimmig gefasst und der Ruhetag mit Expo-Besuch noch bevor wir Ruhe benötigen, bezogen. So ist der nächste Treffpunkt der Eingang zur Arteplage Neuenburg/Neuchâtel. Ohne Gruppenzwang bewegen wir uns durch das Ausstellungsgelände und stolpern über die Überreste des gestrigen Bündner Tages, von den flüssigen Überresten des eisigen Steinbockes, der sein Wasser nicht halten konnte, über einen versprengen Nationalrat auf der Suche nach dem abhandengekommenen Wahlvolk bis zum Bild des delegierten Vertreter aus Haldenstein, einem bemalten Steinbock, das natürlich vom Vater der einen Künstlerin sofort erstanden wurde. Ob dann der Besuch des Vanillepudding mit den 100 Apfelsorten, der Magie der Energie oder des Palais d'Equilibre in der phänomenalen Holzkugel, das Aua extrema oder eine der anderen Ausstellungen empfehlenswert sei, diese Tipps konnten während des Tages immer wieder ausgetauscht werden. Etwas irritierend war einzig die Begeisterung einzelner VPH-Frauen für eine Bande schludrig an- oder ausgezogener Jugendlicher, welche ungezogen zu Musik auf der Bühne herumhüpften, sich krümmten, verdrehten und spastisch bewegten und weiblichen Beifall erregten, während die feingliedrigen druchtrainierten Bewegungstalente aus dem Sportclub Haldenstein völlig unbeachtet blieben und sanfte Hinweise der Ehemänner auf die vorhandenen Talente in den eigenen Reihen milde belächelt wurden. - Das Abendprogamm auf der Arteplage wurde schliesslich nur noch von einem Teil der Gruppe durchgezogen, dies bis zum Ende der faszinierden Licht-, Ton- und Wasserschau am See.

 

Montag, 2. September

Erleichtert stellt der Schreibende bereits in den frühen Morgenstunden fest, dass kein Regen fällt und auch kein Nebel die Laune vergällt. Also nochmals rasch sämtliche Unterlagen studieren und dann der Vorschlag dem Doubs entlang nach St. Ursanne zu fahren. Jetzt geht's erstmals los, hinter mir rollen sechzehn Biker/-innen vertrauensvoll nach, ohne zu wissen, wie wenig ich eigentlich selber von der Route weiss, die ich eingeschlagen habe. Nach ersten Unsicherheiten, wird aber der Weg über Les Pommerats Richtung Les Enfers rasch klar und fasziniert auch gleich mit dem typischen Freiberger Weideland, durchsetzt mit behäbig ausladenden Tannen und vereinzelten Pferden, die aus den Nebelfetzen auftauchen.

Nach Les Enfers dann die zügige Abfahrt in langen Serpentinen hinunter an den Doubs nach Soubey. Rund vierhundert Höhenmeter haben wir so in Kürze vernichtet. Wissen wohl alle, was dies für den Rückweg bedeutet? Nach einem Abstecher und einer Kurve um den schönsten Misthaufen von Soubey folgen wir dem Doubs entlang auf einer Naturstrasse. Die einzige heftige Gegensteigung lädt kurz zum Velowandern ein, dann aber lassen wir uns auf immer besserem Untergrund dem ruhigen Fluss entlang bis nach St. Ursanne treiben. Dort meldet Jürg sprachlich korrekt den ersten Plat du jour an, was wir als gelungenen Scherz vor der Mittagspause lachend quittieren, bis wir ihn rechts anhalten und das Flickzeug auspacken sehen. Im historischen Städtchen finden wir beim Blick von der fotogenen Nepomuksbrücke eine sonnige (!!) Terrasse im Restaurant Halbmond und überraschen so die Wirtsleute mit 17 hungrigen Gästen.

- Grosszügig sichert Silvio vor dem Lokal gleich mehrere Bikes mit seinem grossen Schloss, um dann leicht verstört festzustellen, dass er den passenden Schlüssel gar nicht mit sich führe. Über Mittag wird so unser Staatsarchivar zum findigen Schlossknacker und ermöglicht damit allen wieder die Weiterfahrt, welche einzelne in weiser Voraussicht und in Erinnerung an die Abfahrt mit dem Zug antreten. Nach der Vorspeise gab's zum Dessert gleich noch den zweiten Plat du jour, diesmal war unsere physikalische Ruth die Betroffene.


Lori, der geduldige Schlussmann, reparierte unverzüglich und fachgerecht und der Schreibende begann dannach mit dem jurassischen VPH-Schiebedienst am Berg (der in der Folge noch häufig zum Einsatz kam), so dass wir bald wieder vereint den langen Aufstieg fortsetzen konnten. Das mit dem vereinten Aufstieg hielt aber nur kurz an, dann wurde es zum langen Selektionskrampf bis wir schliesslich jenen Punkt erreichten, wo ich zur Erleichterung aller den Höhepunkt ankündigen konnte. Nun sind jedoch die Freiberge nicht flach, so dass auf dem weiteren Weg Einzelne gleich noch zu mehreren Höhepunkten kamen, während andere auf diesen Höhen eher stimmungsmässige Tiefpunkte ausloteten. Zugegeben die Tour war auf dem Heimweg eher streng, doch wie streng, hing wohl auch von der richtigen Einschätzung der eigenen Kräfte ab. Dennoch landschaftlich wurde uns viel geboten, sowohl auf den Höhen wie auch in den Tiefen entlang des Doubs. Müde aber zufrieden, kann wohl als Fazit gezogen werden.

 

Dienstag, 3. September

Trübe Ausgangslage mit leichtem Regen, der den Start verzögert und Gelegenheit zu einer kurzen Morgenpredigt über Möglichkeiten und Grenzen der Tourenorganisation und Selbstverantwortung gibt. Ausstudiert hatte ich eine Route rund um Saignelégier, die eigentlich an allen Punkten einen Abbruch mit kurzer Heimfahrroute erlauben würde. Wie rasch sich dies bewährte, zeigte der kurz nach dem Start einsetzende Regen, der rasch heftiger wurde, so dass wir uns vorerst ins nächstliegende Restaurant in Le Noiremont zurückzogen. Der Regen war jedoch ausdauernder als wir, die uns bei Kaffee, Tee und Bier bei Laune zu halten versuchten, was zunehmend schwieriger wurde. Der rettende Einfall kam mir in Erinnerung an die ausgezeichnete Forellenbeiz damals vor rund 20 Jahren unten am Doubs bei Goumois. Rasch sind die andern überzeugt von meinem Vorschlag, jedenfalls die Mehrheit. Im "Aua extrema" ging's auf dem kürzesten Weg zurück in die Unterkunft. Dort Nasses gegen Trockenes austauschen und motorisiert hinunter an den Doubs. Ja, es ist alles noch da, noch schöner als in Erinnerung liegt die romantische Forellenbeiz am Stauwehr des Doubs. Die vielen Autos lassen vermuten, dass hier immer noch gut gegessen werden kann, ob's da wohl noch Platz gibt für unsere grosse Gruppe? Kein Problem für den flexiblen Gastgeber und sein Personal, im separaten Stübchen ist innert Kürze für uns aufgedeckt. Vom Hausapéro bis zum Dessert und dem Damassine werden wir auf's Köstlichste bewirtet, Höhepunkt natürlich die frischen Forellen an feiner Sauce. Die Stimmung steigt im Nu, der Tag ist gerettet. Zufrieden und mit guter Erinnerung an Essen, Service und Gastgeber verlassen wir Le Theusseret.

 

Mittwoch, 4. September

Heute folgen wir der nationalen Veloroute Nr. 7 westwärts, einzig Fritz tauscht das Bike gegen sein geliebtes Rennrad und verzieht sich allein Richtung Frankreich. Über Les Cerlatez, La Theurre, Les Chaux de Breuleux, alles hübsche kleine Juradörfer, fahren wir bis nach Les Breuleux. Sehen drüben auf der nächsten Jurakette die grossen Windkraftanlagen in der Nähe des Mont Soleil und warten auf Willi's Ruth, Edith und Olga, die uns eigentlich vorausgefahren sind, um die Tour im gemütlicheren Tempo anzugehen. Handy sei dank finden wir uns wieder, Karten lesen ist eben doch nicht immer einfach. Ausnahmsweise folgt ein kurzes Stück entlang einer rege befahrenen Strasse, dann aber folgt der Aufstieg zum Mont Soleil. Der Schiebedienst bewährt sich und die Höhenmeter hinauf sind rasch bewältigt. Oben auf dem Höhenzug geht's in sanftem Auf und Ab vorbei an grossen Gehöften mit einheimischen und fremdländischen Kühen und Pferden, Jura von der schönsten Seite.



Statt den Mittagshalt wie geplant erst in La Chaux de Fonds einzuschalten, halten wir bei der einladenden Auberge de la Puce oberhalb Renan (Kt. BE). Weniger einladend ist die erste Reaktion des Wirtes, den sechszehn Gäste auf einmal offensichtlich kurzzeitig überfordern. Nun wir warten geduldig, bis wir bedient werden und noch geduldiger, bis auch das Essen aus der Küche kommt. Das Warten lohnt sich, was der Wirt hinten in der Küche auf die Teller zaubert, schmeckt vorzüglich von der Rösti bis zu den Pilzen. Das lockert und verbessert die anfänglich unterkühlte Stimmung. Wir müssten ihm nochmals eine Chance geben, meint der Wirt zum Abschied, er sei nicht vorbereitet gewesen auf so viele Gäste und die Vorräte seien auch zur Neige gegangen. Würden wir ja gerne, doch in dieser Woche führt unser Weg nicht mehr hier vorbei. Weiter geht's kurvig entlang des Juras bis vor die Tore von La Chaux de Fonds. Dort sind sich alle Frauen einig, dass sie jetzt die Rückfahrt mit dem Zug antreten und alle Männer, dass sie noch einige weitere Meter unter die Räder nehmen. Über zwei weitere Buckel erreicht die männliche Hälfte so den Ursprungsort der (vermeintlich) italienischen Pasta-Spezialität, nach Lasagne hier noch ursprünglich La Sagne geschrieben. Es folgt schliesslich ein langer Spurt durch das nun topfebene Jura-Hochtal bis nach Les Ponts de Martels. Das tat gut. Am Bahnhof angekommen, steht der Triebwagen Richtung La Chaux de Fonds schon abfahrtsbereit. Dieser Verlockung können nur Bernhard, Lori und Xaver widerstehen, sie wollen den Weg zurück aus eigener Kraft bewältigen. So kommen die Einen in den Genuss der Jurassischen Eisenbahnen und die anderen in ein echt jurassisches Gewitter. Zufrieden angekommen sind bis zum Nachtessen alle.

 

Donnerstag, 5. September

Heute wird jetzt die geplante Rundtour vom Dienstag nachgeholt, damit's nicht zur Wiederholung wird, mit einer leicht abgekürzten Einfahrtsstrecke über Les Emibois hinauf zum Pferdealtersheim Le Roselet. Unsere Stahlrösser sind jedoch noch nicht pensionsreif, deshalb geht's weiter hinüber zum Etang de Gruère. Hier treffen wir wie vereinbart auf unser kleines weibliches Alternativteam, das bereits gestern eigene Anfahrtswege einschlug. Ein Ort mit Erinnerungswert für den Schreibenden, ein Autounfall an dieser Stelle half vor 19 Jahren mit, dass er in der Folge das Velo als Sportgerät schätzen lernte. Andere schauen indessen bewundernd einer Blondine nach, die mit kräftigem rundem Tritt auf ihrem bepackten Tourenrad vorbeigleitet als gäb's nichts Einfacheres. Gemeinsam (d.h. ohne Blondine) schliesslich umrunden wir den wunderschön gelegenen Etang schauen den Wasservögeln zu und geniessen die Ruhe.

 

Weiter suchen wir d.h. eigentlich ich immer wieder den richtigen Weg, erwischen dabei sowohl bequeme Asphaltsträsschen wie auch holprige, nasse und 'verschissene' Feldwege, welche die Vorzüge moderner Bikes voll federnd zur Geltung bringt oder den Nachteilen der fehlenden Federung voll zum Durchschlag verhelfen. Als wir um die Mittagszeit Les Genevez erreichen, bleibt die Suche nach einer Beiz erfolglos. Ich schlage deshalb die Weiterfahrt Richtung Bellelay vor und hoffe inständig, dass dort auch ein offenes Wirtshaus zu finden sei. Tatsächlich nach der langen Abfahrt unten an der Weggabelung vor dem alten Kloster und jetzigen psychiatrischen Anstalt können wir unseren Bärenhunger im Restaurant de l'Ours stillen. Gut bürgerliche Kost und unkonventionelles junges Servicepersonal stellen auch in diesem Landgasthof unsere kulinarsichen Ansprüche zufrieden. In einer grossen Schlaufe wenden wir über Lajoux wieder heimwärts. Über eine lange Waldabfahrt gelangen wir zum gottverlassen einsamen Bahnhofbuffet von La Combe, das wir jedoch unbesucht hinter uns lassen und entlang von Weihern, Wald und sumpfigen Mooren hinauf nach Montfaucon pedalen. Für die Einen folgt dann eine Spritztour mitten durch die Wiese, andere ziehen die saubere Strasse nach Les Enfers vor. Im Gelände mit Dreck und Nässe blüht einer besonders auf, er fährt ja auch ein Tre(c)k-Rad, unsere schwäbische Wildsau. Auf einer neuen, der dritten Variante gelangen wir entlang der Südkante des Doubsgrabens mit herrlichem Blick hinüber nach Frankreich von Les Enfers nach Les Pommerats. Zum Dessert schliesslich folgt ein letzter feuchter Waldbikeweg, den die einen wie erwähnt geniessen, während andere wenig begeistert feststellen wie dreckig es ihnen ergeht. Gemeinsam werden die Räder in der Autowaschanlage von Saignelégier gründlich gereinigt. - Werni überrascht uns am Abend ein weiteres Mal, als er unsere Gourmetrunde bei Georges Wenger in Le Noiremont mit seinem unerwarteten Besuch beehrt. Was uns acht dann in mehreren Gängen aufgetischt wurde, mag für die Einen überflüssiger Luxus sein, während die Anwesenden von einem köstlichen Mahl schwärmten und gut gelaunt ausgiebig genossen. Jeder nach seinem Geschmack, wir können die Luxusvariante nur empfehlen.

 

Freitag, 6. September

Letzte (Tor)-Tour. In leicht reduzierter Gruppe fahren wir nochmals nach Le Noiremont und dann durch die Wälder am Rande des Doubstales entlang Richtung Westen bis hinunter nach Biaufond. Herrlich der Blick auf halber Höhe hinunter auf das Flussknie, wo sich der Doubs zu einem See ausbreitet und wo nur der Blick auf die Karte hilft, um angesichts der Flussverrenkungen die Geografie und die Landesgrenzen wieder zu ordnen. Rasch über den unbewachten Zoll und die Brücke nach Frankreich, das eine andere Perspektive erlaubt aber keinen wesentlichen Unterschied zwischen Euro- und Frankenland spüren lässt. Dann frei nach Karte dem eingezeichneten Wanderweg am Doubs entlang flussabwärts. Äh, ja, eben, was auf der Karte nicht sichtbar war, ist die Qualität des Weges. Drecken, biken, rutschen, treten, fluchen, schieben, schwitzen und schliesslich endlich eine schöne Forststrasse bis zur Auberge La Bouêge mit erneut ausgezeichneten Forellen unter dem Lindenbaum an den Ufern des Doubs, idyllischer geht's kaum mehr.


Ein weiteres Mal geniessen wir ein köstliches Mahl, das (hoffentlich) auch all jene versöhnlich stimmt, die zeitweilig die gute Laune im Dreck und weissen Leibchen verloren. Nach dem Essen geht's weiter bis zur nächsten Krampfader des Doubs, wie Lisa die blauen Verdickungen auf der Karte, dort wo der Doubs jeweils gestaut wird, bezeichnet. Auf der Karte heisst der Ort La Goule, wo übrigens eine weitere empfohlene Forellenbeiz (Bruder von Georges Wenger) liegt und der lange Aufstieg nach Le Noiremont beginnt. Kurz vor dem Aufstieg fällt Vreni unglücklich auf den Ellenbogen, das erweist sich in der Folge als weit schmerzhafter als ursprünglich angenommen und endet mit dem Arztbesuch in Le Noiremont. - Letztes Nachtessen im Café du Soleil, das einmal mehr bestens gefüllt ist. Nicht zuletzt weil schon wieder eine Veranstaltung in der grossen Halle des Marché Concours stattfindet. Diesmal ein Brocante.

 

Samstag, 7. September

Abschied am Morgen. Während Xaver und Silvia schon in der Dunkelheit unerkannt entschwinden, verabschieden sich nach dem Frühstück die einen Richtung Brocante und Auto für die Heimfahrt, während Bernhard und ich uns ein letztes Mal auf's Velo schwingen. Die Idee den Heimweg bis nach Basel per Velo anzutreten, kam im Laufe der Woche, als wir feststellten, dass für den Rücktransport nicht mehr genügend Sitzplätze zur Verfügung standen. Über die Route Nr. 7 verlassen wir Saignelégier Richtung Montfaucon. Schalten dort einen kurzen Halt bei der Ferme La Fleure ein, die allerdings den empfohlenen Tête de Moine nicht vorrätig hat. Wir folgen unserem Heimweg vom Montag und staunen jetzt talwärts sausend über den langen Aufstieg, den wir damals bewältigten. St. Ursanne verlassen wir über die historische Brücke diesmal Richtung Basel und das bedeutet auf der anderen Talseite wieder hochklettern über Seleute hinauf auf den Col de la Croix. Das Kreuz deutet an, dass wir tatsächlich oben sind und wieder eine Abfahrt geniessen dürfen, diesmal in die Ajoie, jenen unbekannten Jurakopf dessen Grenzverlauf so neugierig nach Frankreich hinein schaut. Kurz vor Porrentruy neckt uns eine junge Joggerin, die unerwartet ein zweites Mal vor uns auftaucht, weil sie eben eine Abkürzung kannte. Wir halten rechts nach Lucelle, sind in Frankreich ohne einen Zoll passiert zu haben und gleich gehts wieder in die Schweiz, ins lange einsame Lützeltal. Nichts als Laubwald, ein Bächlein, das den Grenzverlauf markiert und eine Strasse unmerklich fallend, so dass es gemütlich rollt und rollt und rollt, bis drei Rennvelofahrer im Tenü des VMC Laufen meinen, sie müssten an uns vorbeirollen. Diesen Windschatten lassen wir uns nicht entgehen, in schweigender Übereinkunft hängen Bernhard und ich uns in die Pedalen und ans Hinterrad der Sportsfreunde. Von Rucksackträgern mit schweren Bikes verfolgt zu werden, muss ja vorne auf den leichten Rennrädern nicht gerade motivieren, doch allen Tempoverschärfungen zum Trotz wir bleiben dran, erkundigen uns zwischenzeitlich unschuldig nach der Distanz bis Laufen, nehmen die angedeuteten 15 Kilometer schluckend zur Kenntnis und bleiben bei Tempo 40 - 45 weiter dran. Dann plötzlich werden vor mir die Ritzel auf Turbo geschaltet, die Muskeln bis zur Übersäuerung aktiviert, mein Vordermann zischt unter Aufbietung aller Kräfte los, natürlich versuchen Bernhard und ich mit leichter Verzögerung mitzuhalten, doch das Rennrad ist nun einmal leichter und die 500 Meter Vorausfahrt mögen wir dem Helden ja gönnen. Dann sind wir auch schon an der Kreuzung, wo sich unsere Wege trennen. Ja, welcher Weg eigentlich? Der Blick auf die Karte zeigt rasch, dass wir im Temporausch die letzte Abzweigung verpasst und etwas zu weit gefahren sind. Nun machts nichts, es ist sowieso Mittagszeit, eine gute Gelegenheit in der hübschen Altstadt von Laufen uns an der Sonne mit Pasta zu stärken. Zur Verdauung dann ein längerer und schweisstreibender Aufstieg auf den Chall, bei dem wir uns gegenseitig nicht mehr fordern, zu gut kennen wir uns, heute ist nur Genuss angesagt. Der folgt bei der Abfahrt vorbei am Wallfahrtsort Marienstein bis vor die Tore Basels. Ab Therwil über Bottmingen wird es immer städtischer, als Velofahrer werden wir aber gut markiert auf Nebensträsschen immer geradeaus bis ins Zentrum und von dort auf den Bahnhof geführt. Nach rund 100 Kilometern haben wir kurz nach zwei Uhr bei schönstem Herbstwetter unser Ziel erreicht. Es war wieder einmal herrlich so unbeschwert durch abwechslungsreiche Landschaften zu pedalen, frei von Verpflichtungen als Tourenführer. Beim Bier an der Sonne strecken wir die Beine, bis der Zug nach Chur bereit ist. In Landquart nehmen wir Abschied und aus Freude am schönen Tag, nimmt jeder für sich den eigenen Heimweg unter die (Velo-)Räder. In Haldenstein sind Gepäck und Ehefrau auch schon da. Zufrieden halten sie und er gemeinsam Rückschau auf eine gelungene Velotourenwoche mit dem VPH.


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