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Burgund 2000

Burgund 30. September - 7. Oktober 2000


Samstag, 30. September

Um 9 Uhr morgens, Jürg und Vreni, Werni, Klaus und Ruth, Silvio, Markus und Ruth, Ruedi, Lisa und Lori, Reto, Edith und Erich treffen sich abfahrtsbereit bei der Brücke Haldenstein. Zur Stärkung versorgt Lisa zum Auftakt (fast) alle mit frischen Äpfel aus ihrem Körbchen, nur den Präsidenten beschenkt sie speziell mit einem liebevoll verpackten Säcklein Apfelschnitzen (sie kennt seine Vorlieben, herzlichen Dank). Es geht los bei trübem Herbstwetter Richtung Autobahn - Hirzel - Luzern - Raststätte Neuenkirch. Erster Kaffeehalt. Nächster Treffpunkt: Raststätte Gruyère, Mittagessen mit Platzanweisung. Nächster Treffpunkt: Aire de Valleiry bereits in Frankreich. Wer rechtzeitig daran dachte, hat noch 'günstigen' Most in der Schweiz getankt (am günstigsten wohl ca. 200 m vor dem Zoll bei der letzten Autobahnausfahrt in der Schweiz). Der Regen ist uns jetzt fast dauernd ein treuer Begleiter. Wie durch ein Wunder oder mit gutem Spürsinn finden sich alle wieder an der Autobahnausfahrt Mâcon Centre (trotz Ausfall einiger Handys). Es ist wieder trocken. Von hier werden wir telefonisch von Herrn Klotz durch Mâcon geleitet und biegen rund 20 Minuten später weit draussen in den Pampas, wo nur noch weisse Kühe und Schafe weiden, durch das Tor zum Château-Des ab.


Immerhin die Welcome-Fahne an der Fassade deutet drauf hin, dass hinter diesem baufälligen Mauerwerk tatsächlich Menschen wohnen. Als wir dann im Innenhof unter der Verrière vom Ehepaar Klotz-Guhl begrüsst werden, wird's rasch heimeliger, denn inzwischen haben wir herausgefunden, das Lorenz Klotz tatsächlich Bürger von Haldenstein ist! Da kann ja nichts mehr schief gehen. Die Zimmerbesichtigung jedenfalls weckt Freude an der Unterkunft, mit Geschmack wurde hier neu installiert und möbiliert. Der Reihe nach lernen wir auch die jungen Katzen (die Grossmutter und Mutter aller Katzen heisst "tasch". die kleinen Katzen heissen kiwi, bitschi, lulu und flocon.... hat Reto in Erfahrung gebracht), die Schlosshunde (Ramuz und Océanne) und die Kinder (Florence und Xavier) kennen.

... damit die Stimmung gut bleibt, offeriert Reto Christoffel einen Apéro, der uns gleich mit einer Spezialität des Burgundes bekannt macht, es gibt Kir. Prost und herzlichen Dank dem Spender.

Das erste Nachtessen am langen Tisch schmeckt ebenfalls, der Auftakt ist geglückt.


 

Sonntag, 1. Oktober

Ein reichhaltiges Frühstück wird uns aufgetischt. Das Wetter macht auch mit, die Velos sind startklar, es fehlt noch die Route. Erich lässt sich von Herrn Klotz beraten, dann geht's los.


Gut 300 Meter nach der Torausfahrt ...fffffffffft - Werni geht die Luft aus, d.h. eigentlich nicht ihm, sondern seinem Vorderrad. "Alles anhalten, komm wir wechseln gleich, Werni gib deinen Ersatzschlauch."- ???????!!!! - Nun zum Glück gibt es tatsächlich VPHler, die einen Ersatzschlauch mit dabei haben und Werni Nummer eins ausleihen. - Wir rollen und strampeln auf Nebenstrassen und Feldwegen, vorbei an Hügeln, feudalen Landsitzen, Höfen, Dörfern und den unvermeidlichen Charolais-Rindern (über Brandon - St. Cécile) nach Cluny. Kurz vor Mittag stehen wir vor den Anlagen des einstigen 'Leuchtturm des Mittelalters'. Heute eine Stadt voller Leonberger, das sind Hunde, die an diesem Sonntag aus ganz Europa zu einem Treffen angefahren kamen. Nach individuellem Rundgang bzw. Restaurantbesuch trafen wir uns zur gemeinsamen Suche eines Esslokals, doch beim aufgespürten Lokal kam uns eine doppelte Busladung Franzosen zuvor, da blieb für uns kein Platz mehr. Schliesslich finden wir vor dem Klosteranlagen einen Platz im Freien mit einer charmanten Bedienung, die uns mit feiner melodiöser Stimme zum Bestellen, Essen und Zahlen ermuntert. Der Koloratursopran der netten und tüchtigen Dame klingt noch lange in den Ohren nach, als wir uns auf der 'Voie-verte' einem Veloweg auf ehemaligem Eisenbahntrassee nordwärts rollen. Auf dem neuen Bahntrassee parallel rollt etwas schneller der TGV. Erst das einzige 'Velomuseum Frankreichs' vermag die Spitzenfahrer rund 13 km weiter zu bremsen, ein Halt, der sich lohnt wie die Besichtigung zeigt. Erstaunlich was für eine Entwicklung das Fahrrad in nur rund 150 Jahren durchmachte und welche technischen Ideen schon zu Beginn des letzten Jahrhunderts geboren waren. So das wär's, jetzt können wir umkehren und wieder nach 'Hause' radeln. Ja aber das waren dann halt doch nochmals ca. 35 Kilometer und einige Höhenmeter (über Jalogny), etwas viel für den Anfang (ca. 73 Km), dafür schmeckt das Abendessen um so besser und es schläft sich etwas tiefer.

 

Montag, 2. Oktober

Düster, Regen. Was tun? Der Vorschlag 'Fahrt nach Beaune' per Auto findet Zustimmung. Auf dem Weg dorthin können wir nochmals unsere gestrige Leistung bewundern. In Buxy machen wir auf Empfehlung von Lorenz Klotz Zwischenhalt, der Stadtrundgang verläuft allerdings trocken, das heisst wir wissen noch immer nicht, wie der Weisswein hier schmeckt. Kurz vor Mittag stehen wir dann vor dem Hôtel-Dieu dem Hospice de Beaune. Nein, es ist kein Hotel sondern ein ehemaliges Spital in dem man allerdings schon allein beim Anblick des medizinischen Werkzeuges wahrscheinlich rasch wieder gesund wurde, Zweifel am Heilungserfolg weckte einzig die Tatsache, dass gleich an den eindrücklichen Bettensaal eine Kapelle anschliesst. In Autoladungen vereint wird die Gastronomie von Beaune und 'berühmte' Weinkeller der grossen Burgunder getestet. Wer sich von den Weinen begeistern liess, wurde meist entsprechend im Portemonnaie erleichtert. Das Wetter übrigens von trüb bis heiter alles. So ganz ungelegen allerdings kam dieser Ruhetag nicht.

 

Dienstag, 3. Oktober

Als Frühgymnastik bei Edith noch den Schlauch am Hinterrad gewechselt. Wetter gut (d.h. bewölkt aber trocken) Morgenprogramm wie üblich: Frühstück, dann Lagebesprechung mit Herrn Klotz. Los geht's heute Richtung Osten, Ziel sind die Weinberge bei Mâcon. Kurz nach St. Leger geht's in die Steigung Richtung Tramayes, welche die 9-jährige Florence angeblich mühelos bewältige. Nicht ganz so mühelos geht's bei Edith, Plattfuss nach wenigen Minuten, zwei Mal Schlauch wechseln, etwas fluchen und dann geht's wieder. Die gemütliche Steigung erweist sich als steiler und holpriger Feldweg, Florence muss eine Ausnahmebikerin sein oder .... vgl. Freitag, 6. Oktober. Der dornenreiche Weg verfehlt seine Wirkung nicht, Werni bezieht seinen zweiten Plattfuss und Ersatzschlauch eines Kollegen.


In Tramayes finden wir dann doch noch den richtigen Ausgang (die Leute hier verstehen tatsächlich unser Französisch). Über den nächsten Hügelzug gelangen wir über die route Lamartine ins Weingebiet bei Serrière. Schön wenn wir hier ein gutes Lokal finden würden. Zuerst lockt bei Pierreclos ein Schloss mit Schweizer- und Eurofahne, doch ausser ein Kellerbesichtigung gegen Geld ist hier nichts zu haben, darauf können wir verzichten. Schliesslich kurz nach Bussière ein Schild nach 300 m ein Restaurant! Der Spurt zum ersehnten Lokal endet vor verschlossenen Türen und für Lisa noch etwas früher mit einem Platten. Lori übernimmt den Reparaturdienst und der Rest macht sich auf ins nächste Dorf (La roche vineuse), findet dort ein volles Lokal und beschliesst deshalb ins angepriesene Lokal ausserhalb zu fahren, die Steigung bringt uns zwar zum Schwitzen und vor ein weiteres Lokal mit Betriebsferien und für Lisa die Plattfüsse Nummer 2 - 4. Wir kehren zurück und bekommen nun im Routier-Lokal Platz und für 64 FF (rund SFr. 15.-) ein viergängiges Mittagessen, bei dem vor allem das Käsedessert überzeugt. Ein weiteres Dessert erhält Werni mit dem Plattfuss (diesmal war's das Hinterrad) und dem Ersatzschlauch Nummer drei von einem Kollegen. Der 'Plat du jour', Reto's französische Kreation für den Plattfuss des Tages, geht aber eindeutig an Lisa (warens jetzt vier oder fünf Schlauchwechsel?).


Sicherheitshalber rollen wir jetzt nur noch (über Berzé, St. Cécile, Clermain) Richtung Château zurück - ohne weiteren Plattfuss, dafür mit einem eindrücklichen Endspurt von Ruth Willi, die als erste durch's Tor des Château fährt.. Total ca. 55 km. Abendprogramm: Tischtennis unter der Verrière, Essen am langen Tisch und erste Jassspiele.

 

Mittwoch, 4. Oktober

Aus der üblichen Lagebesprechung mit Herrn Klotz resultierte heute die Westroute. Wetter erstaunlich sonnig. Wie gestern suchte Erich zum Einfahren schon nach Kurzem einen besonders geeigneten holprigen und steilen Feldweg, den die meisten wieder als Velowanderer "genossen".


Nach der folgenden Abfahrt hinunter nach Matour folgte eine längere Passfahrt mit anschliessender Waldabfahrt. Das Wetter zeigte sich heute deutlich von der sonnigeren Seite. Natürlich durfte auch der 'Plat du Jour' nicht fehlen. Werni, nein er war heute nicht betroffen, Jürg war heute der Glückliche. Er sang gut hörbar ein Loblied auf seine neue Pumpe! Der obligate Viergänger am Mittag in Dompierre les Ormes schmeckte dafür wieder gut, die Käseplatte war noch reichhaltiger. Fast zwei Stunden nahm die Verpflegung in Anspruch. Es folgte eine Verdauungssteigung und Abfahrt nacht Trambly, dann der letzte Aufstieg nach La Bussière und für einmal erreichten wir St. Leger sous la Bussière bzw. unser Château mit viel Tempo und ohne Anstrengung von oben her. Heute warens nur ca. 45 km. Um halb vier schon zurück, das wurde für einzelne fast schon zum Problem, denn was sollte man mit der vielen freien Zeit bis zum Nachtessen auch noch anfangen. Nun z.B. Walken mit Edith, den besten Standplatz für ein Natel-Gespräch nach Haldenstein suchen, Ping-Pong unter der Verrière üben, nach Mâcon entfliehen, Steuerprobleme studieren etc.


Abendprogramm: Siehe Dienstag zusätzlich ein Vortrag über die Geschichte des Château bzw. die Geschichte wie Familie Klotz zu diesem Haus kam und was für Pläne zur Diskussion stehen.

 

Donnerstag, 5. Oktober

Das herbstlich freundliche Wetter tut seine Wirkung. Der Berichterstatter fällt für heute aus, Erkältung, es reicht gerade für eine Fahrt nach Tramayes um den Notvorrat an Papiertaschentüchern aufzustocken. Silvio hält heute seine Spürnase an der Spitze in den Wind. Das Wetter kühl, bedeckt aber trocken. Nach einer happigen Einfahrschlaufe ging es gemächlich Richtung Süden nach Monsols und über den Mont Rigaud hinunter nach Beaujeu im Weinbaugebiet Beaujolais. Nach erneut ausgiebigem Mittagsschmaus schwitzten wir zurück auf den Col de Crie, wo Edith beweisen wollte, dass man in Frankreich verkehrt herum über die Kreisel zu fahren pflegt, auch wenn einem 40-Tönner entgegenbrausen. (Silvio's Ergänzungen)


Unterdessen erwartete Erich im Château immer ungeduldiger und voller böser Ahnungen über mögliche Unfälle die Kollegen zurück, weil wir ja schliesslich auf vier Uhr zur Weindegustation verabredet waren. Kurz nach vier waren dann alle gesund wieder da. Fahrt zu Monsieur Laurent, dem Ex-Mirage-Piloten, der sich jetzt als 55-jähriger sportlicher Frührentner seinem Hobby, dem Wein, widmet. Etwas mehr als die Hälfte unserer Truppe lässt sich nun in die Technik des Weinkostens, der Eigenheiten von Beaujolais, von Mâcon blanc, Pinot noir und Puilly Fussé einführen und spuckt kräftig Wein aus!! Nicht weil's so schlecht war, sondern weil dies eben die richtig Art sei, um Wein zu degustieren. Während fast drei Stunden erfahren wir viel über den Weinbau und -handel im Burgund und das alles in perfektem Französisch. Abendprogramm wie gehabt, d.h. halt, heute gab's noch Erläuterungen zum Verhältnis VCS-Klotz und dann war da noch die Geschichte der verschwundenen Lampe und Silvios leuchtenden Ohren.

 

Freitag, 6. Oktober

Am Morgen darf ich die Glückwünsche zum 47. entgegennehmen. Lieber wären mir zu diesem Zeitpunkt etwas wärmere Temperaturen und etwas weniger Husten und Schnupfen. Es wird immer kühler (wenn auch blauer Himmel sich zeigt). Immerhin ich kann heute wieder der Gruppe auf dem Velo folgen. Diesmal auf der richtigen Strasse nach Tramayes, jener nämlich die auch Florence mühelos bewältigt. Kurz danach klinken Edith und der Schreibende sich von verbleibenden Rest aus. Wir lassen uns nach Cluny treiben, fluchen über das kalte (wenn auch trockene Wetter) und lassen es uns dort bei gutem Wein und noch besserem Essen ausgiebig schmecken. Gemütlich zurück. Die übrigen überwinden noch einen nahrhaften Übergang, um auf den Mittag heimzukehren und per Auto in die Stadt zu fahren. Eine Vierergruppe gelangt auf der Suche nach einer Verpflegungsstätte schliesslich ebenfalls nach Cluny, doch ohne die beiden Buchmänner anzutreffen. Dafür fasst Werni seinen letzten Platt-du-jour! (Silvio's Ergänzung)


Und schon wieder heisst es, Velo abspritzen und verladen, die Zeit ist um. Zur Feier des Tages überrascht mich Edith mit einem Geburtstagsapéro zubereitet von L. Klotz, Florence am Cello und Xavier am Schlagzeug geben zudem Soloeinlagen auf ihren Instrumenten (herzlichen Dank); anschliessend Nachtessen und ein Geburtstagskuchen. Schon folgt die letzte Nacht auf dem Château.

Samstag, 7. Oktober

Abschied. In unterschiedlichem Tempo geht's bei schönem Wetter los. In der Schweiz dann wieder erste Regenschauer. Kurz nach vier treffen wir wieder in Haldenstein ein. Werni hat uns sicher zurück gebracht, danke.

 


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